babybauch-gipsabdruck

Warum dieser Bilderrahmen aus Zirbenholz nie seine Bestimmung fand

Nicht immer laufen alle Aufträge so, wie man sich das als Künstlerin wünscht. So wie dieser hier…

Ich bekam einen Anruf von einer Frau aus Stuttgart. Sie hat sich für meine Baby-Abdrücke interessiert und wir haben vereinbart, dass sie und ihre Familie zur Abformung zu mir nach Fürth kommen. Wir haben am Telefon nicht über die spezifischen Gestaltungswünsche der Familie gesprochen – ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Als wir uns in meinem Atelier getroffen haben gab es eine große Überraschung: die Eltern wünschten sich ein Werk, in dem die Mutter ihre Hände wie ein Herz formt und die Füßchen ihres Sohnes hält. Definitiv ein schönes Motiv und nichts Ungewöhnliches – aber es kann nicht in einer Sitzung entstehen. Zuerst müssen die Füße des Kindes abgeformt und ausgegossen werden. Danach müssen die Füße ein paar Tage durchtrocknen bevor ich sie bearbeiten kann. Und erst dann kann der zweite Termin stattfinden, an dem die Mutter die bearbeiteten Füße in die Abformmasse hält.

Nun war die Familie aber extra aus Stuttgart angereist und ich habe mir spontan Folgendes überlegt: ich nehme die Abdrücke der Babyfüße und die der Hände der Mutter und klebe später beides zusammen. Man sieht beim fertigen Werk keinen Unterschied zwischen kleben und halten. So haben wir es dann gemacht und die Familie ist nach dem Termin wieder nach Hause gefahren. Leider ging mein Notfallplan nicht auf. Die Hände waren zu klein für die Füße.

Ich habe also die Familie kontaktiert und wir haben nach einem zweiten Termin gesucht. Leider kam dieser nie zustande. Also habe ich mir etwas Neues überlegt: Ich habe von den Originalabdrücken Duplikate erstellt, die ich nicht so hoch ausgegossen habe, und diese dann in die Hände geklebt. Dieser Plan ging auf! Ich habe mich sehr gefreut, der Familie doch noch ein schönes Kunstwerk anfertigen zu können, sogar ganz ohne zweiten Termin.

Nun ging es an die Gestaltung. Und hier traf ich auf die nächste Herausforderung. Die Familie wünschte sich explizit einen Rahmen aus Zirbenholz. Wer sich ein bisschen mit Holz auskennt weiß sofort, dass Zirbenholz ein teueres Holz ist, das man in Deutschland nicht so einfach bekommt. Ich habe recherchiert und mehrere Firmen angeschrieben, aber immer bekam ich eine negative Antwort: die Menge, die ich brauchte, war zu gering oder die Angebote sehr teuer. Die Familie wollte die Preise nicht zahlen, aber sie wollten unbedingt dieses bestimmte Holz. Der Zufall hat mir dann geholfen: Mein Mann war beruflich in Österreich und bevor er losgefahren ist habe ich recherchiert, ob es in dem Ort, in dem er übernachten wird, einen Schreiner gibt, der mit Zirbenholz arbeitet. Ich wurde fündig, habe Kontakt aufgenommen und die benötigten Bretter dort bestellt. Mein Mann ist dann früh morgens vor seinem Termin zu dem Schreiner gegangen und hat das Holz abgeholt.

Damit war das Problem des Bilderrahmens aber noch nicht gelöst. Die Maße, die sich die Familie wünschte, passten nicht zu den Abdrücken. Der Rahmen wäre im Verhältnis viel zu groß geworden. Die Abstimmung dazu verlief mühsam und langsam doch schlussendlich konnte ich die Familie von kleineren Maßen überzeugen.

Auch die Gestaltung der Rückwand war schwierig. Die Kundin hat mir verschiedene Beispielfotos von Mustern geschickt. Alle gehörten zu hochpreisigen Tapeten. Mir wurde langsam ganz schwindelig, denn die Kosten des Projekts stiegen und stiegen.

Zusätzlich wünschte sich die Familie, dass der Rahmen mit einem Herz aus Holz verziert wird – so naturbelassen wie möglich, auch die Rinde sollte noch mit dran sein. Wo bekomme ich nun aber genau so ein Herz her? Wieder habe ich mich vor den Computer gesetzt und lange recherchiert. Und wieder war es der Zufall, der mir geholfen hat: Ich war in einem Blumenladen und habe dort ein Deko-Herz gesehen, dass den Wünschen meiner Kunden sehr nahe kam. Von der Ladenbesitzerin erhielt ich die Visitenkarte der Künstlerin,  habe Kontakt zu ihr aufgenommen und ein Herz in den gewünschten Maßen bestellt. Eine Sonderanfertigung, die natürlich wieder nicht gerade günstig war.

Nun galt es noch die letzten Wünsche zu erfüllen: der Rahmen sollte von innen beleuchtet werden, neben den Abdrücken sollte das Foto des Kindes angebracht werden, sowie ein weißes Herz mit Namen und Geburtsdatum. Auch das habe ich umgesetzt. Die gesamte Gestaltungsphase dauerte insgesamt ein Jahr. So etwas gab es bei mir noch nie. Die ganze Zeit stand ich in Kontakt mit den Kunden, habe jeden Schritt mit ihnen abgestimmt und das Werk genau nach ihren Vorstellungen gestaltet. Als es fertig war war ich stolz auf mich, dass ich einen so anspruchsvollen Auftrag so nahe an den Anforderungen habe umsetzen können. Das fertige Werk war wirklich wunderschön, sehr individuell und gelungen.

Dann kam das böse erwachen. Als ich der Familie die Rechnung geschickt habe und fragte, wann sie das Werk abholen möchten, baten sie mich zuerst um eine Ratenzahlung.  Auch auf diesen Wunsch bin ich eingegangen und habe eine neue Rechnung geschrieben. Doch dann schrieb mir der Vater einen Brief in dem er mir sagte, dass sie keine Freude mehr an den Abdrücken hätten und dass alles nicht so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hätten. Ich war schockiert und unendlich enttäuscht. Ich bin alle Nachrichten, die zwischen mir und der Familie hin und her gegangen sind, noch einmal durchgegangen, habe jeden kleinen Schritt, den wir besprochen hatten, mit dem finalen Produkt verglichen – aber ich konnte keine Abweichungen von ihren Wünschen finden…

Dieser Auftrag hat mich nicht nur viel Zeit und viele Nerven gekostet, er hat mich auch sehr traurig gemacht. Im Endeffekt habe ich den Rahmen behalten. Er ist wunderschön und riecht unglaublich toll. Irgendwann wird er seine Bestimmung finden.

Für mich habe ich auch viel aus dieser Erfahrung gelernt. Noch mehr als bisher achte ich darauf, alles schriftlich festzuhalten. Vielleicht hat mich dieser Auftrag zu einer besseren Geschäftsfrau gemacht – und das wäre ja ein positiver Effekt.

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